Diabetes bei CF

Zusammenfassung des Vortrags von Frau Dr. Müller-Brandes aus Hannover am 31.1.04 in Münster:

 

Am Samstag, den 31.Januar, war Fr. Dr. Müller-Brandes in der Hohenzollernklinik in Münster zu Gast bei der Regionalgruppe Münster .Das Thema des Tages lautete: Diabetes bei CF.

Ca.11% aller CF-ler entwickeln nach dem 10.Lebensjahr einen Diabetes. Auffällig ist, das weibliche Patienten statistisch gesehen früher einen Diabetes entwickeln, aber insgesamt betrachtet nicht häufiger. Die Zuckerkrankheit bei CF ist ein schleichender Prozess, der unbedingt beobachtet werden muss, denn die Auswirkungen sind gravierend. Es kommt zu Energieverlust, Kraftverlust, Gewichtsabnahme, Infektionen häufen sich, die Lungenfunktion verschlechtert sich, die kleinen Gefäße werden geschädigt und somit kommt es insgesamt zu einer Verschlechterung der Lebenserwartung. Die typischen Symptome für einen Diabetes treten bei CF-lern später auf und die schleichende Entwicklung macht ihn so gefährlich. So sind der Nüchternblutzucker und der HbA1c noch über Jahre normal, während in Wirklichkeit schon ein Diabetes vorliegt.

Die einzige Sicherheit bietet der sogenannte orale Glucosetoleranztest ( OGTT), der schon sehr früh erhöhte Blutzuckerwerte nachweist. Deshalb sollte es mittlerweile zur Standarduntersuchung eines jeden CF Patienten gehören, ab dem 10. Lebensjahr einmal im Jahr einen OGTT zu durchzuführen. Da der Blutzucker in Belastungssituationen wie einem Infekt erhöht sein kann, sollte er nur in einem stabilen Zustand , sprich am Ende einer i.v. Therapie durchgeführt werden.

Die Durchführung ist relativ einfach :zuerst wird der Nüchternblutzucker bestimmt, dann eine genau definierte Menge Glucoselösung getrunken. In den nächsten 2 Stunden sollte der Patient sich möglichst ruhig verhalten, also keine körperlichen Anstrengungen unternehmen, danach wird wieder gemessen. Wichtig ist es auch, dass die Werte in einem Labor bestimmt werden und nicht mit den handelsüblichen Geräten, da diese zu ungenau sind. Die Kontrollen sollten abhängig vom Ausmaß der Zuckerstoffwechselstörung durchgeführt werden: 1x pro Jahr bei normalem Zuckerstoffwechsel, alle ½ -Jahre, wenn die Werte leicht erhöht sind und im Graubereich liegen, sowie nach 4-6 Wochen, wenn ein Diabetes vorliegt. Ein zweimal im OGTT nachgewiesener Diabetes ist das einzige bei CF relevante Früherkennungszeichen für einen Diabetes.

Denn nur, was man früh erkennt, kann man auch frühzeitig behandeln. Eine gute Therapie ist sehr, sehr wichtig! So konnte nachgewiesen werden, das CF-ler mit starkem Untergewicht ,schlechtem BMI ( Bodymaßindex) und schlechter LUFU schon nach einem Jahr Behandlung mit Insulin einen deutlichen Anstieg dieser Werte verzeichnen konnten, die z.T. nach 5 Jahren wie die Werte Gleichaltriger waren z. T. besser als je zuvor!

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es nun? Nur für Insulin ist es bisher nachgewiesen, dass es bei CF-Diabetes sehr sicher und sehr gut wirkt. Somit ist der Gold-Standard in der Therapie die sofortige Insulintherapie, die heute ihren Schrecken verloren hat. Der Patient ernährt sich weiter hochkalorisch und spritzt sich sein Insulin unmittelbar vor dem Essen. Allerdings gibt es Patienten, die große Hoffnung in Tabletten setzen wie z.B. das Präparat Novonorm®, das noch relativ neu auf dem Markt ist und erheblich weniger Nebenwirkungen zeigt als andere orale Antidiabetika. Bisher fehlen jedoch kontrollierte Studien, die zeigen, ob Tabletten genauso gut und genauso wirksam wie Insulin sind. Daher sollten Tabletten nur in Rahmen kontrollierter Studien eingesetzt werden!

Um genau diese Frage zu klären wurde von unserem Bundesverband die CF-Diabetes-Studie ins Leben gerufen und finanziert. Sie läuft unter der Leitung von Herrn Dr.Ballmann aus der CF-Ambulanz Hannover und Herrn Prof. Dr.Holl, einem führenden Diabetologen aus Ulm. Es soll untersucht werden, ob NovoNorm® bei CF-lern genauso sicher und effektiv ist wie Insulin. Teilnehmer werden über 2 Jahre medizinisch begleitet und müssen nur 1x vierteljährlich zur Kontrolle kommen. Insgesamt wurden bisher 1099 Patienten gescreent, wovon 136 einen manifesten Diabetes entwickelten.

Leider ist der Diabetes auch heute noch nicht heilbar - trotz diverser Ansätze in der Medizin wie Transplantation der Bauchspeicheldrüse oder der Insulinproduzierenden Inselzellen, Stammzelltherapie ,ja und sogar in der Gentherapie laufen Ansätze, aber leider bisher alles ohne positives Ergebnis. Sicher ist nur, dass sich der Diabetes in Belastungssituationen wie Infekten oder schlechter Ernährungssituation früher zeigt.

Natürlich werden auch noch Probanden für dieser Studie gesucht. Interessierte wenden sich am Besten über ihre Ambulanz an Herrn Dr. Ballmann oder Frau Dr. Müller-Brandes an der MHH in Hannover, Tel.: 0511-532-3220/ 6715, E-Mail: ballmann.manfred@mh-hannover.de oder mueller-brandes.christine@mh-hannover.de.